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Christian Wilde Gedächtnisvorlesung

Foto von der Christian Wilde Gedächtnisvorlesung

Christian Wilde war Mitglied der Gründungkommission der Bucerius Law School und Partner der Anwaltssozietät Freshfields Bruckhaus Deringer. Nicht zuletzt seinem großen persönlichen Engagement haben wir die Existenz unserer Hochschule zu verdanken. Christian Wilde, der 2004 im Alter von 64 Jahren verstorben ist, hatte zu vielen Kommilitonen, Professoren und zur Hochschule selbst ein freundschaftliches Verhältnis. Zu seinen Ehren richten die Hochschule und das Institut für Unternehmens- und Kapitalmarktrecht die Christian Wilde-Gedächtnisvorlesung aus, die alle zwei Jahre stattfinden soll.

1. Christian Wilde Gedächtnis Vorlesung (07.06.2012)

Der Anfang wurde am 7. Juni 2012 mit der ersten Christian Wilde-Gedächtnisvorlesung gemacht. Professor Dr. Dr. h.c. mult. Karsten Schmidt, zu diesem Zeitpunkt Präsident der Bucerius Law School, betonte, dass Wilde "eine der Persönlichkeiten sei, denen die Hochschule besonders viel zu verdanken hat". Professor Dr. Christoph H. Seibt, Partner bei Freshfields Bruckhaus Deringer, erinnerte an Wilde, der als "anwaltliche Ausnahmepersönlichkeit" neue Standards für moderne unternehmensrechtliche Beratung gesetzt habe und über die Sozietät hinaus als Vorbild dienen könne.

Nach den Gedenkworten trug Professor Dr. Dr. Dr. h.c. mult. Klaus J. Hopt, von 1995 bis 2008 Direktor des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Privatrecht, zum europäischen Übernahmerecht vor. Derzeit findet auf europäischer Ebene die rechtspolitisch bedeutsame Revision der 13. Richtlinie betreffend Übernahmeangebote statt. Hopt griff die Themenkomplexe des Pflichtangebots und des Verhinderungsgebots heraus und stellte Reformvorschläge vor, die anschließend unter Moderation von Professor Dr. Rüdiger Veil kontrovers diskutiert wurden. Die Gedächtnisvorlesung, die zugleich Auftakt des sechsten Hamburger Forums – in diesem Jahr zum Thema Übernahme- und Kapitalmarktrecht – war, wird künftig im Abstand von zwei Jahren stattfinden."

Auszug aus dem Newsletter der Bucerius Law School, August 2012, Christoph Fuchs, Student

2. Christian Wilde Gedächtnis Vorlesung (12.06.2014)

 

Foto von der Christian Wilde Gedächtnisvorlesung

Am 12. Juni fand die zweite, vom Institut für Unternehmens- und Kapitalmarktrecht im Gedenken an Christian Wilde, Wirtschaftsanwalt und Mitglied der Gründungskommission der Bucerius Law School, statt. An die Person erinnerte Professor Dr. Christoph H. Seibt, der ihn als präzisen Denker mit Unternehmergeist und einer außergewöhnlichen emotionalen Intelligenz beschrieb. Der Wegbegleiter Christian Wildes, Professor Dr. Hoffmann-Becking, fesselte danach das Auditorium mit seinen Thesen zur Unabhängigkeit des Aufsichtsrats. Er stellte zunächst heraus, dass Unabhängigkeit immer stärker in den Vordergrund rückt. Dabei soll Unabhängigkeit nicht nur vom Vorstand des gleichen oder verbundenen Unternehmens, sondern nach dem DCGK auch von dem beherrschenden Aktionär bestehen. Dies führe zu einer stärkeren Berücksichtigung von Aktionärsminderheiten. Auch bezweifelte Hoffmann-Becking, ob die Forderung nach Unabhängigkeit nicht zu sehr im Vorfeld eines Interessenkonfliktes ansetze und nicht besser durch die klassischen aktienrechtlichen Instrumentarien wie Transparenz, Stimmverbote und Mandatsniederlegung in den Griff zu bekommen seien. In der anschließenden Diskussion wurden insbesondere  die europäischen Pläne zur Stärkung der Aktionärsrechte kritisiert, nach denen größere Geschäfte der Gesellschaft mit nahestehenden Dritten durch die Hauptversammlung zu genehmigen seien. Durch diese Kompetenzverschiebung würde – so ein Teilnehmer – „das Kind mit dem Bade ausgeschüttet“. Der Abend schloss mit Brezeln und Wein.

Der Vortrag ist im Wortlaut erschienen in NZG 2014, 801.